Rezensionen

Aus der Perspektive eines Historikers:

Man kann es drehen und wenden wie man will, C. Julius Caesar, der römische Eroberer Galliens, hat die Romanisierung der dortigen Kelten eingeleitet und die Germanen am Rhein auf ein halbes Jahrtausend gestoppt. Beides zusammen trug wesentlich dazu bei, dass, als die germanischen Franken sich doch noch durchsetzten, diese die vulgärlateinische Sprache der Eroberten annahmen und das Resultat schliesslich Frankreich wurde, wie wir es kennen. Irgendetwas davon schwingt mit im wundervollen Roman von Virginia Bischof "Das Dritte Triumvirat, Band II, Caesars Gallischer Frieden" (ISBN 978-3-944264-75-2). Caesar, Antonius und Cicero sind wieder zum Leben erwacht und integrieren sich in die moderne Welt (voll und ganz, Caesars "Typ" heisst Antoinette...). Virginia Bischof hält der Neuzeit den Spiegel des Altertums vor und umgekehrt. So erklärt Antoinette ihrem Caesar den Kaiser Napoleon und erhält die Quittung, "Napoleon hat offenbar viele Fehler gemacht!" Die Autorin trägt ihre soliden Kenntnisse mit leichter Eleganz zur Schau, das Buch liest sich flüssig und endet mit einem Hilfeschrei des zum Tode verurteilten Antonius an seine Mit-Triumvirn Caesar und Cicero, doch zu seiner Hilfe nach Ägypten zu fliegen... Die Spannung bleibt.

 

Windisch, 2. Mai 2015


Dr. Jürg Stüssi-Lauterburg, Historiker

 

 

Aus der Perspektive eines Militärstrategen:

Caesar, Cicero und Marcus Antonius sind nach über 2000 Jahren von den Toten auferstanden und bilden gemeinsam das Dritte Triumvirat. Caesar begibt sich auf Erkundung seiner im Gallischen Krieg geschlagenen Schlachten und Gefechte. Während seiner Reise durchstreift er die Schweiz, das westliche Deutschland und Frankreich. Vor allem in Frankreich sucht er die Orte seiner in Bibracte gegen die Helvetier und in Alesia gegen den gallischen König Vercingetorix geführten Schlachten auf. Dabei bekundet er Sympathie sowohl für die niedergemetzelten Helvetier als auch für den besiegten Vercingetorix. In Caesars Reflexionen bei den Erkundungen der in seinem Gallischen Krieg ausgefochtenen Schlachten und seiner kühnen Flussübergänge lässt die Autorin die Strategie und Taktik des Imperators aber auch die Wirkungen des römischen Imperiums und seiner Kultur aufleben. Dabei gelingt es ihr, durch die Schilderung von Caesars Vergangenheit die römische Kriegführung vor unseren Augen lebendig werden zu lassen. Interessanterweise begegnet Caesar während seiner Reise in die eigene Vergangenheit immer wieder den Taten seines Epigonen Napoleon Bonaparte, der gleich ihm mit seinen Kriegen und Schlachten das römische Imperium wieder erwecken wollte. Während aber Caesar auf dem Höhepunkt seiner Macht durch Verräter und Feiglinge ermordet wurde, erlitt Napoleon ein anderes Schicksal. Napoleon wurde schliesslich durch die schiere numerische Übermacht seiner Gegner militärisch erdrückt und damit besiegt.

Virginia Bischof ist mit diesem Werk nicht nur eine vortreffliche Beschreibung der römischen Kriegführung gelungen, sondern sie hat auch beinahe ein militärisches Lehrbuch über Strategie und Taktik verfasst. Dieses «beinahe» ist der einzige Wermutstropfen, der diesem Werk anhaftet. Hätte die Autorin den im 19. Jahrhundert bekanntesten Interpreten der Kriegführung Napoleons, den Schweizer Antoine-Henri Jomini (1779-1869), General im Dienste des Korsen und später der Zaren, und dessen Lehren in ihre Abhandlung miteinbezogen, dann hätten wir das perfekte Lehrbuch über die Kriegführung Caesars und Napoleons.


Wädenswil, 6. Mai 2015

 

Prof. Dr. Albert A. Stahel

Dozent für strategische Studien am Institut für Politikwissenschaft an der Universität Zürich

 

Aus der Perspektive eines Altphilologen:

„Gallia est omnis divisa in partes tres, quarum unam incolunt Belgae, aliam Aquitani, tertiam qui ipsorum lingua Celtae, nostra Gallis appellantur. Hi omnes lingua institutis legibus inter se differunt.“ – Wer kennt sie nicht, die berühmten Worte aus dem Anfang des Bellum Gallicum des römischen Staatsmannes und Feldherrn  C. Julius Cäsar? Der Gallische Krieg schlägt bis auf den heutigen Tag geistige Brücken über ganze Generationen und vermag diese zu einem Dialog über Recht und Unrecht, über kriegerische Unterwerfung, militärische Taktiken, das Selbstbestimmungsrecht der Völker, das Recht auf eigene kulturelle Identität, Sitten und Bräuche von Völkern, Staaten und Kulturen zu führen. Die Cäsarlektüre – als so mühselig und vielleicht auch unaufregend sie manchmal empfunden wird – ermöglicht einen fruchtbaren Dialog und ein vertieftes Nachdenken über grundlegende Fragen der Politik und schlägt ebenso eine Brücke zu den großen und immer noch ungelösten Problemen unserer Gegenwart. 

    Wir erinnern uns an den ersten Band „Das Dritte Triumvirat“ von Virginia Bischof: C. Julius Cäsar, Marcus Tullius Cicero und Marcus Antonius erwachen auf einem Flüchtlingsboot kurz vor der kleinen Insel Lampedusa vor Sizilien in der Gegenwart, gelangen auf Umwegen nach Rom, erfahren mit Hilfe eines Professors für Alte Geschichte, der ihr Freund und Gönner wird, von all den großen Ereignissen und Entwicklungen bis zur Gegenwart und sehen sich vor die Aufgabe gestellt, mit einem geschärften Blick auf den Gang der Geschichte die zentralen Sinnfragen menschlicher Existenz zu stellen. 

   In dem nun vorliegenden zweiten Band der Autorin begleitet der Leser einen nachdenklichen Cäsar, der sich als Althistoriker der Universität von Rom ausgibt, durch das moderne Helvetien und Gallien. Aus der Perspektive des personalen Erzählers erhalten wir vertiefte Einblicke in die Gedanken, Empfindungen, Lebensvorstellungen und Überlegungen eines Menschen, der seine charakterliche Prägung nicht verloren hat. So löst der Anblick einer Darstellung des Gemäldes „Napoleon am St. Bernhard-Pass“ von J. Louis David das Gefühl einer Konkurrenzsituation aus: „Ein Glück, dass wir nicht Zeitgenossen waren, sonst wäre Europa für uns beide bestimmt zu klein gewesen!“ Im Folgenden werden Vorgänge reflektiert, die sichtbar werden lassen, mit welchen Mitteln wirkungsmächtige Geschichtsbilder konstruiert werden können – damals wie heute. Vergleiche zwischen Cäsar und Napoleon führen den Leser schrittweise zur Reflexion über politische Entscheidungen einflussreicher Staatsmänner und Feldherren, werfen Fragen über den Sinn militärischer Eroberungen auf und eröffnen Einblicke in historische Deutungen.

  Gleichzeitig ermöglicht das Romangeschehen einen geschärften Blick für die Durchdringung der Gegenwart mit römischer Kultur, Sprache und Politik: Gerade die Begegnung mit den Menschen in der Schweiz, ihrem vielfältigen sprachlichen Kolorit, lässt deutlich werden, wie sehr die Romanisierung eine stabile Brücke zwischen Gegenwart und Vergangenheit darstellt. In Begleitung einer gebildeten und schönen jungen Frau erfährt Cäsar über die Geschichte der Schweiz, bevor er sich aufmacht, um namhafte Schauplätze aus der Zeit der Eroberung Galliens aufzusuchen. Damit wird das Romangeschehen auch zu einer kulturhistorischen Entdeckungsreise: Bibracte, Augusta Raurica, Trier, Frankfurt, Bonn, Köln, Aachen, Xanten und insbesondere Alesia und Paris sind die Orte, die den Romanhelden zu einem grundsätzlichen Nachdenken über die Vergangenheit anregen und Zweifel an so manchen Errungenschaften der Gegenwart wecken lassen.

   So bietet der Roman eine abwechslungsreiche Lektüre: Vergangenheit und Gegenwart greifen ineinander. Die didaktische Ausrichtung ist dabei unverkennbar: Richtet er sich an alle, die über Kontinuitäten und Diskontinuitäten nachdenken wollen, die Querverbindungen zwischen einem Vereinten Europa und der Pax Romana des Imperium Romanum erkennen wollen. Gewiss wird man sich die Frage stellen, inwieweit der Limes und der Schengenraum einem Vergleich standhalten, welche Vorteile die Zugehörigkeit des civis Romanus zum Imperium Romanum im Unterschied zu einem Bürger der EU hatte und inwiefern Vercingetorix und Charles de Gaulle ganz ähnliche Ziele verfolgten. Darüber hinaus werden Problemfelder der historischen Deutung sichtbar, über die sich ein Nachdenken lohnt: Sind beispielsweise flächendeckende Bombardierungen dicht besiedelter Gebiete im Zweiten Weltkrieg Kriegsverbrechen oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit? Worin lagen die tatsächlichen Ziele Cäsars, nach Britannien überzusetzen? Inwieweit hängt ein historisches Urteil auch vom Zeitgeist ab?   

   Der jüngst erschienene zweite Band des Romans mit dem Titel „Das dritte Triumvirat“ von Virginia Bischof ist wie bereits der erste Band eine kurzweilige und unterhaltsame Lektüre. Der Gedanke, Cäsar auf einer Reise durch sein erobertes Gallien zu begleiten, ist vor dem Hintergrund vieler grundlegender Fragestellungen reizvoll. Was könnte wohl Cäsar im Anblick der überlebensgroßen Statue seines ehemaligen Erzfeindes Vercingetorix denken? 

   Der Roman eröffnet damit Blicke auf Kernfragen der Geschichte, er ermöglicht Einblicke in gewachsene historische Strukturen und sensibilisiert für Fragen nach den Wurzeln eines gemeinsamen Europa und dem Sinn imperialer Machtpolitik. Die Darstellungsform mit ihrer unverkennbar didaktischen Ausrichtung lässt darauf schließen, dass hier insbesondere der junge Leser angesprochen wird, der einerseits ein Interesse an europäischer Geschichte hat, andererseits nach Antworten auf die brennenden Fragen der Zeit sucht. Nicht zuletzt ermutigt die Lektüre aber auch dazu, das Bellum Gallicum erneut in die Hand zu nehmen und sich mit dem Werk Cäsars vertiefend zu befassen.


Friedgar Löbker, Collegium Ulricianum, Aurich

9. Mai 2015

 

Aus der Perspektive von Lesern auf amazon.de:

 

"Mir hat das Buch sehr gefallen und ich konnte mich gut in die fantasievollen Darstellungen hineindenken. Ich bedanke mich für den Lesegenuss."

von "Vielleser"

19. Juni 2015


"Kompletter Blickwechsel: Die Frage ist nicht wie so oft, wie wir unsere Vorfahren sehen und beurteilen - sondern wie sehen unsere Vorfahren uns? Was haben wir aus ihrem Erbe gemacht? In Band II des Dreiteilers "Das dritte Triumvirat" von Virginia Bischof begleitet man den wieder auferstandenen Julius Caesar zu den Stätten seines Wirkens vor 2.000 Jahren durch die Schweiz, Deutschland, Frankreich. Während der turbulente erste Band vor allem in Italien spielt, ist dieses Buch eher ein Reisebericht, allerdings kein gewöhnlicher. Teils komisch, teils ernst, teils skurril, teils nachdenklich - und wirklich umfassend recherchiert - stellt Caesar unsere Vorstellungen auf den Kopf, während er noch einmal durch die Lande zieht. Was ist von der damaligen Pracht noch übrig? Wie haben sich die Werte der Menschen, der Völker verändert - oder auch nicht? Wie beurteilt Caesar die Berühmtheiten, die ihm nachfolgten, etwa Napoleon? Wie denkt er über die ehemals so barbarischen Germanen, wie über seine gallischen Erzfeinde? Wie sieht man Caesar heute - und wie sieht er selbst sich aus der neuen Perspektive? Geschichtsliebhaber und kritische Köpfe, die dennoch das Schmunzeln nicht verlernt haben, werden ihre helle Freude haben!"

von "Mattutina"

29.06.2015